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Floris Entwicklung – warum Veränderung manchmal Monate braucht

Autorenbild: Jaqueline Friesen
Jaqueline Friesen
21. Sept.
6 Min. Lesezeit

Als Flori im September 2025 zu mir kam, war eigentlich gar nicht geplant, dass sie einmal, zu einem für mich sehr spannenden Fütterungsbeispiele werden würde.

Sie kam ursprünglich als Zuchtstute zu mir und sollte perspektivisch als Empfängerstute für einen Embryo meiner Trakehnerstute Indra eingesetzt werden. Entsprechend lag mein Fokus zunächst gar nicht darauf, aus ihr ein Reit- oder Trainingspferd zu machen.

Schon bei Ihrer Ankunft war allerdings deutlich, dass Flori körperlich einige Besonderheiten mitbrachte, die ich im weiteren Verlauf im Blick behalten wollte.

Flori am Tag ihrer Ankunft September 2025
Flori am Tag ihrer Ankunft September 2025

Flori brachte eine orthopädische Vorgeschichte mit. Bereits 2021 war bei ihr ein Fesselträgerursprungsschaden hinten rechts diagnostiziert worden. Der damalige Befund ist dokumentiert, bei ihrem Einzug bei mir war sie jedoch nicht lahm.

Was mir wesentlich stärker auffiel, war ihr gesamter körperlicher Zustand.

Vor allem im Bereich zwischen Bauch, Flanke und Hüfte wirkte sie stark eingefallen. Unterhalb der Hüfthöcker entstanden regelrechte tiefe Bereiche, die auf den Fotos sehr deutlich zu erkennen sind.


etwa eine Woche nach Einzug, gut sichtbare eingefallene Flanke
etwa eine Woche nach Einzug, gut sichtbare eingefallene Flanke

Dazu kam eine deutlich weiche Fesselung der Hinterhand und insgesamt sehr viel Spannung im Körper.

Sie war gleichzeitig ein sehr sensibles, menschenbezogenes Pferd: verschmust und freundlich, draußen aber ausgesprochen aufmerksam, schnell und stark an ihrer Umwelt orientiert.


Am Anfang passierte scheinbar - gar nichts


Fütterungstechnisch kam Flori mit einem handelsüblichen Mineralfutter zu mir.

Ich begann ihre Ration nach und nach umzustellen. Sie bekam Hafer, Sempamin und unter anderem Eggersmann Aminoral. Ergänzend bekam Flori MSM sowie zeitweise Hyaluron und Kollagen zur Unterstützung des Bewegungsapparates. Auch Magnesium habe ich Phasenweiseerhöht eingesetzt. Dabei hatte ich den Eindruck, dass es sich positiv auf ihren hohen Muskeltonus ausgewirkt hat.

Und dann begann die Phase, die wahrscheinlich jeder kennt, der schon einmal versucht hat, ein Pferd wirklich langfristig körperlich aufzubauen:


Man macht und macht und scheinbar passiert überhaupt nichts.


Ich hatte über Monate das Gefühl, Nährstoffe in dieses Pferd hineinzufüttern, ohne irgendeine Reaktion zu sehen.

Sie wurde nicht plötzlich runder.

Die eingefallenen Bereiche verschwanden nicht.

Und selbst an den Hufen passierte zunächst erstaunlich wenig.

Es dauerte ungefähr drei bis vier Monate, bis wir ihre Hufe überhaupt zum ersten Mal vernünftig bearbeiten konnten, weil vorher schlicht kaum genug neues Horn nachgewachsen war.

Das war für mich rückblickend ein wichtiger Teil dieser Entwicklung.

Denn die Auswirkungen einer Veränderten Versorgung müssen nicht sofort dort sichtbar werden, wo wir sie gerne sehen möchten.

Ich hätte nach sechs oder acht Wochen sagen können: Das bringt doch alles nichts.

Stattdessen habe ich weitergefüttert und beobachtet.


Bewegung, ja. Training, kaum.


Auch das ist für die Einordnung der folgenden Bilder wichtig:

Floris körperliche Veränderung ist nicht das Ergebnis eines intensiven Muskelaufbauprogramms.

Wir sind mit ihr überwiegend spazieren gegangen.

Teilweise viel und auch auf festem Untergrund, aber ich habe sie bislang kaum systematisch longiert und noch keinen klassischen Aufbau unter dem Sattel betrieben.

Das macht ihre Entwicklung für mich gerade im Zusammenhang mit der Fütterung besonders interessant.

Denn natürlich beeinflusst Bewegung den Körper. Aber wir sprechen hier nicht über ein Pferd, das fünfmal wöchentlich gymnastizierend gearbeitet wurde und dadurch sichtbar Muskulatur aufgebaut hat.


März - erste Veränderungen, aber noch viele Baustellen


Anfang 2026 habe ich begonnen, die Rationen meiner Pferde noch detaillierter zu berechnen und die Versorgung gezielter anzupassen.

Im Februar stellte ich auch Floris Ration erneut um und beschäftigte mich zunehmend intensiv mit ihrer Aminosäurenversorgung.

Die Bilder vom 8. März 2026 zeigen einen interessanten Zwischenstand.


Flory Anfang März. 2026
Flory Anfang März. 2026

Die tiefen Stellen an der Flanke waren noch immer sichtbar.

Gleichzeitig begann der Fellwechsel, und dabei wurden bei Flori deutliche Farbunterschiede sichtbar. Besonders auffällig waren kupferfarbene Bereiche rund um die Augen und verschiedene hellere Stellen im Fell.


Flory Anfang März.2026
Flory Anfang März.2026

Flory Anfang März. 2026
Flory Anfang März. 2026

Diese Veränderungen dokumentiere ich bewusst erst einmal nur als Beobachtung.

Aus Fellfarbe oder einzelnen Farbveränderungen lässt sich nicht seriös automatisch auf einen bestimmten Mineralstoffmangel schließen. Dafür spielen zu viele Faktoren eine Rolle.

Interessant war für mich vielmehr der zeitliche Verlauf zusammen mit der Entwicklung des restlichen Körpers.


Ende April - plötzlich wird sichtbar, was vorher monatelang kaum zu sehen war

Ende April sah Flori bereits deutlich anders aus.


Flory Ende April.2026
Flory Ende April.2026

Die vorher sehr tiefen Einziehungen hatten begonnen aufzufüllen.

Nicht vollständig. Nicht spektakulär von einem Tag auf den anderen.

Aber auf den Vergleichsbildern war nun erstmals sehr deutlich zu erkennen, dass sich ihre Körperkontur verändert hatte.


Flory Ende April.2026
Flory Ende April.2026

Auch die auffälligen Ringe rund um die Augen waren zu diesem Zeitpunkt fast vollständig verschwunden.

Und genau das ist etwas, das ich an ihrer Entwicklung so spannend finde:

Monatelang hatte ich das Gefühl, dass kaum etwas geschieht.

Und irgendwann konnte man rückblickend plötzlich erkennen, wie viel sich tatsächlich verändert hatte.


Kleine Rückschläge gehören dazu


Mitte Juni hatte Flori ein Hufgeschwür.


Aufgebrochenes Hufgeschwür vorne rechts Mitte Juni.2026
Aufgebrochenes Hufgeschwür vorne rechts Mitte Juni.2026

Auch solche Phasen gehören für mich zu einer realistischen Verlaufsdokumentation.

Ein Pferdekörper entwickelt sich nicht unter perfekten Laborbedingungen. Hufe, alte Verletzungen, Bewegungspausen, Wetter, Haltung, Stress und viele weitere Faktoren greifen ineinander.

Im Juli waren wir weiterhin hauptsächlich spazieren.


Flory beim Spatziergang Ende Juli.2026
Flory beim Spatziergang Ende Juli.2026

Auf Bewegungsbildern sieht man dabei auch deutlich ihre sehr weiche Fesselung hinten. Aufgrund ihrer Vorgeschichte ist das natürlich etwas, was ich bei ihrem weiteren Aufbau berücksichtigen muss.

Es ist aber nicht der Schwerpunkt dieser Geschichte.


Der nächste Schritt: gezielter mit Aminosäuren arbeiten


Was mir trotz der bisherigen Entwicklung weiterhin fehlte, war mehr Substanz.

Deshalb habe ich mich immer intensiver mit der Aminosäurenversorgung beschäftigt.

Ich hatte bereits verschiedene Aminosäurenquellen ausprobiert und unter anderem zeitweise ein BCAA-Produkt eingesetzt. Trotzdem war ich noch nicht bei der Versorgung angekommen, die ich eigentlich erreichen wollte.

Im Sommer habe ich ihre Ration deshalb erneut angepasst und schließlich zwei Produkte mit gezielt eingesetzten Aminosäuren ergänzt.

Und hier wurde die Entwicklung für mich noch einmal richtig interessant.

Nach etwa zwei bis drei Wochen entstanden diese Bilder:


Flory Mitte August.2026
Flory Mitte August.2026
Flory Mitte August.2026
Flory Mitte August.2026
Flory Mitte August 2026
Flory Mitte August 2026

Wenn ich diese Bilder neben die Fotos ihrer Ankunft stelle, finde ich den Unterschied enorm.

Die Partie, die im September noch tief eingefallen war, ist deutlich aufgefüllt. Die Übergänge zwischen Rumpf und Hinterhand wirken wesentlich geschlossener. Die Kruppe erscheint voller und auch insgesamt wirkt der Körper nicht mehr so „leer“.

Und trotzdem ist Flori für mich noch lange nicht fertig.

Ich möchte bei ihr noch mehr Substanz sehen und wir beginnen gerade erst damit, uns überhaupt ernsthaft mit ihrem körperlichen Aufbau zu beschäftigen.

Genau deshalb finde ich diesen Verlauf aber so spannend.


Was hat nun was bewirkt?


Das ist die Frage, bei der ich bewusst vorsichtig sein möchte.

Ich kann anhand dieser Bilder nicht sagen:

„Dieses Aminosäurenprodukt hat innerhalb von drei Wochen dieses Pferd verändert.“

So funktioniert ein Organismus nicht.

Floris Versorgung wurde über viele Monate verändert und immer wieder genauer angepasst. Sie bekam eine auf sie abgestimmtere Mineralstoffversorgung, verschiedene Aminosäurenquellen, Hafer und weitere Ergänzungen. Dazu kamen Bewegung, Haltung, Jahreszeit und ganz schlicht Zeit.

Auch das, was wir auf Fotos als „mehr Muskulatur“ wahrnehmen, besteht nicht ausschließlich aus neu aufgebauten Muskelfasern. Muskelglykogen, Wasserbindung, Gewebefüllung und Muskeltonus beeinflussen ebenfalls, wie ein Pferdekörper aussieht.

Was ich aber sehr wohl sagen kann:


Nach Monaten, in denen zunächst scheinbar kaum etwas passierte, begann Flori sich sichtbar zu verändern. Und nach der erneuten Anpassung ihrer Aminosäurenversorgung zeigte sich innerhalb weniger Wochen noch einmal ein sehr deutlicher Unterschied in ihrer Körperkontur.


Für mich ist genau das der spannende Teil.

Nicht das eine Wundermittel.

Sondern die Frage:

Was fehlt diesem individuellen Pferd noch, obwohl auf den ersten Blick bereits „alles drin“ ist?


Warum ich diesen Verlauf zeige


Flori ist für mich ein gutes Beispiel dafür, warum ich Pferdefütterung nicht auf ein Mineralfutter und eine Dosierungsempfehlung reduzieren möchte.

Manchmal braucht ein Körper Zeit.

Manchmal muss man mehrere Ebenen betrachten.

Und manchmal passiert monatelang scheinbar nichts, obwohl im Hintergrund längst etwas in Bewegung gekommen ist.

Bei Flori hat es ungefähr drei bis vier Monate gedauert, bis allein an ihren Hufen wirklich sichtbar wurde, dass überhaupt wieder ausreichend Horn nachkam.

Wenn ich damals nach wenigen Wochen alles wieder verworfen hätte, hätte ich den weiteren Verlauf nie gesehen.

Heute, ein Jahr nach ihrem Einzug, ist sie noch nicht dort, wo ich sie haben möchte.

Aber genau das gehört für mich zu einer ehrlichen Verlaufsdokumentation dazu. Körperliche Entwicklung verläuft nicht nach einem festen Zeitplan.

Und wenn ich heute das erste Bild neben eines der aktuellen stelle, sehe ich trotzdem eine deutliche Veränderung.

Genau deshalb dokumentiere ich ihre Entwicklung weiter und bin gespannt, wohin uns der weitere Aufbau noch führt.



Hinweis zu Einordnung


Dieser Beitrag dokumentiert die individuelle Entwicklung meines eigenen Pferdes. Die beschriebenen Fütterungsmaßnahmen sind keine pauschale Empfehlung für andere Pferde. Eine Ration sollte immer anhand des individuellen Pferdes, der Grundfütterung, Haltung, Nutzung und gegebenenfalls vorhandener Befunde beurteilt werden.





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