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Über mich

Wie aus Füttern irgendwann Verstehen wurde

Ich bin Jaqueline, 33 Jahre alt, Mama von vier Kindern und lebe mit meiner Familie ziemlich ländlich. Zu unserem Alltag gehören neben Kindern und jeder Menge Arbeit auch vier eigene Pferde, Hühner, Katzen und alles, was auf einem Hof eben so anfällt.

Pferde begleiten mich schon lange und meine eigenen könnten unterschiedlicher kaum sein. Unterschiedliches Alter, unterschiedliche Typen, unterschiedliche Ansprüche und jeder bringt seine ganz eigenen kleinen und größeren Baustellen mit. Genau dadurch habe ich über die Jahre ziemlich deutlich gelernt, dass das, was bei einem Pferd wunderbar funktioniert, beim nächsten noch lange nicht passen muss.

2022 habe ich meine Ausbildung zur Tierheilpraktikerin begonnen. Ursprünglich gar nicht mit dem Plan, daraus irgendwann eine Futterberatung zu machen. Ich wollte vor allem mehr verstehen und meine eigenen Tiere besser unterstützen können.

Dass ausgerechnet die Pferdefütterung irgendwann zu dem Thema werden würde, in das ich mich immer tiefer einarbeite, war damals überhaupt nicht geplant.

Indra ‚Sie ist eben alt‘ war mir irgendwann nicht mehr genug

Indra ist heute 24 Jahre alt. Sie ist auf einem Auge blind, hat einen empfindlichen Magen und bringt inzwischen auch einige körperliche Baustellen mit. Dazu gehören arthrotische Veränderungen an den Beinen sowie ein durch Arthrose verändertes ISG. Gleichzeitig ist sie ein Pferd, das sehr von Routine und Sicherheit profitiert.

Besonders die Winter und der Fellwechsel waren bei ihr lange schwierig. Sie verlor deutlich an Substanz, wirkte eingefallen und zottelig und irgendwann sah man ihr ihr Alter einfach sehr deutlich an. Natürlich wusste ich, dass ein älteres Pferd sich verändert. Trotzdem wollte ich mich mit dem Gedanken „Sie ist eben alt“ nicht einfach zufriedengeben.

Ich hatte ihre Fütterung schon vorher immer wieder angepasst und damit auch Verbesserungen erreicht. Aber irgendwann kam für mich der Punkt: Es war besser, aber mir war das nicht mehr genug. Ich wollte verstehen, warum.

Im Winter 2025 begann ich deshalb, ihre gesamte Ration noch einmal systematisch auseinanderzunehmen und zu berechnen. Nicht mehr nur: Was könnte ich noch ergänzen? Sondern: Was bekommt sie insgesamt? Wie passen die einzelnen Nährstoffe zusammen? Und wie nah kommt die gesamte Versorgung tatsächlich an ihren Bedarf heran?

Dabei begann ich mich auch intensiver damit auseinanderzusetzen, wie Bedarfswerte überhaupt zustande kommen und welche unterschiedlichen Referenzsysteme es gibt. Unter anderem beschäftigte ich mich mit den Empfehlungen des NRC – National Research Council und begann, nicht mehr nur einzelne Werte, sondern auch Nährstoffverhältnisse und die gesamte Ration genauer zu betrachten.

Seitdem versorge ich Indra nach diesem deutlich präziseren System. Das ist jetzt erst rund ein halbes Jahr der Fall und genau deshalb möchte ich ihre Entwicklung hier auch nicht als fertiges „Vorher-Nachher-Ergebnis“ darstellen. Die Bilder zeigen vielmehr den Weg, den wir gerade gehen.

Und ich bin ehrlich gesagt ziemlich gespannt auf das nächste Frühjahr. Der kommende Winter wird der erste sein, den sie vollständig mit dieser auf sie abgestimmten Versorgung durchläuft. Natürlich spielen dabei viele weitere Faktoren eine Rolle, und Fütterung kann weder das Alter noch bestehende körperliche Veränderungen aufhalten. Aber genau deshalb interessiert mich umso mehr, wie meine dann 25-jährige Indra im Frühjahr 2027 dastehen wird.

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März 2025

August 2025

März 2026

August 2026

Gleiche Grundlagen – völlig unterschiedliche Pferde

Was eine individuell berechnete Fütterung in der Praxis bedeutet, zeigen mir Johnny und Risiko besonders gut. Tatsächlich bekommen beide bei mir weitgehend dieselben Futterbausteine und trotzdem sehen ihre Rationen am Ende deutlich unterschiedlich aus. Der entscheidende Unterschied liegt vor allem in den Mengen und darin, was die jeweilige Grundration bereits mitbringt.

Jonny

Risiko

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Februar 2024

März 2025

Februar 2026

Oktober 2024

November 2025

September 2026

Jonny ist heute 20 Jahre alt und mit seinen rund 1,45 Metern deutlich kleiner als Risiko. Bei ihm muss ich mit der Energieversorgung genauer hinschauen, weshalb beispielsweise seine Haferration deutlich kleiner ausfällt.

Und genau hier wird es interessant: Weniger Kraftfutter bedeutet nicht nur weniger Energie. Mit der geringeren Menge gelangen gleichzeitig auch weniger Protein und Aminosäuren sowie Mineralstoffe und Spurenelemente in seine Gesamtration. Was dadurch nicht ausreichend abgedeckt wird, muss ich an anderer Stelle gezielter ergänzen.

Das führt dazu, dass Jonny trotz seiner deutlich geringeren Gesamtfuttermenge von manchen Mineral- oder Ergänzungsfuttermitteln gar nicht so viel weniger benötigt als ein wesentlich größeres Pferd. Kleineres Pferd und weniger Futter bedeuten also nicht automatisch, dass von jedem einzelnen Futterbaustein entsprechend weniger gebraucht wird.

Und seine 20 Jahre vergisst man bei Jonny sowieso schnell. Er ist bewegungsfreudig, hat Ausdauer und vor allem noch richtig Lust, etwas zu tun. Wenn mein kleiner Haflinger im Galopp neben dem fast 1,80 Meter großen Westfalen läuft und locker mithält, muss ich manchmal selbst daran denken, dass da inzwischen ein 20-jähriges Pferd unter mir läuft.

Risiko ist ein fast 1,80 Meter großer, 16 Jähriger Westfale und damit schon äußerlich das komplette Gegenstück zu Jonny. Als er zu mir kam, wurde er mir vom Volti-Verein mit dem Gedanken anvertraut, ihm noch eine schöne verbleibende Zeit zu ermöglichen. Er hatte stark an Substanz verloren und Auffälligkeiten zeigten sich teilweise bereits im Gang- und Blutbild.

Schon mit meiner damaligen Fütterung gelang es mir, ihn nach und nach wieder aufzubauen. Seit ich seine Ration vor rund einem halben Jahr deutlich genauer berechne und auf seine Ausgangssituation abstimme, entwickelt er sich weiter. Heute ist er wieder regelmäßig unter dem Sattel unterwegs und galoppiert frisch und mit Freude durchs Gelände. Natürlich ist diese Entwicklung kein reines „Fütterungsergebnis“ Training, Bewegung, Haltung und die gesamte Betreuung spielen dabei ebenfalls eine wichtige Rolle.

Risiko benötigt große Futtermengen, um Substanz aufzubauen und zu halten. Trotzdem braucht er von manchen Mineral- und Ergänzungsfuttermitteln erstaunlich wenig mehr als Jonny. Denn über seine wesentlich größere Grund- und Kraftfutterration nimmt er bereits deutlich mehr Nährstoffe auf.

Genau das macht den Vergleich der beiden für mich so spannend: Zwischen einem rund 1,40 Meter großen Haflinger und einem fast 1,80 Meter großen Westfalen liegen körperlich Welten. Bei einzelnen Ergänzungen allerdings, manchmal nur wenige Gramm.

Risiko zeigt mir deshalb besonders deutlich: Entscheidend ist nicht allein, wie groß ein Pferd ist, sondern was es insgesamt benötigt, was seine Ration bereits mitbringt und was tatsächlich noch ergänzt werden muss.

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Wie daraus meine Futterberatung entstand

Der Gedanke, daraus einmal eine Futterberatung zu machen, kam erst später. Angefangen hatte alles im Winter 2025 mit meinen eigenen Pferden und vor allem mit Indra. Ich wollte verstehen, warum sie trotz all der Dinge, die ich bereits fütterte und ergänzte, wieder so stark an Substanz verlor.

Ich begann, Rationen genauer auseinanderzunehmen und die einzelnen Nährstoffe tatsächlich gegeneinander zu rechnen. Bald rechnete ich auch für die ersten Freunde und Bekannten mit, damals noch ohne eigenes Berechnungssystem.

Im Januar 2026 traute ich mich schließlich, meine Futterberatung erstmals öffentlich anzubieten. Auch meine ersten Kundenpferde berechnete ich zunächst noch auf diese Weise.

Und dabei wurde mir ziemlich schnell klar: So funktioniert das auf Dauer nicht.

Bedarfswerte, unterschiedliche Referenzsysteme, Energie, Protein und Aminosäuren, Mineralstoffe und Spurenelemente. Dazu die Nährstoffgehalte sämtlicher Futtermittel und ihre Verhältnisse zueinander. Alles einzeln zu berechnen, miteinander zu vergleichen und bei jeder Veränderung wieder neu durchzurechnen, wurde schlicht zu unübersichtlich.

Also baute ich mir Anfang 2026 meine eigene Excel-Auswertung. Damit konnte ich erstmals eine komplette Ration übersichtlich erfassen, einzelne Futtermittel oder Mengen verändern und direkt nachvollziehen, was diese Veränderung für die Gesamtversorgung bedeutet.

Seitdem hat sich auch dieses System immer weiterentwickelt. Mit jedem neuen Pferd kamen andere Ausgangssituationen, Anforderungen und Futtermittel dazu. Manche Produkte habe ich verworfen, andere haben mich überrascht und einige fand ich so interessant, dass sie später sogar ihren Weg in die Rationen meiner eigenen Pferde gefunden haben.

Auch meine Berechnungen, Auswertungen und Angebote passe ich bis heute weiter an. Denn für mich gehört genau das zu einer fundierten Futterberatung: weiter zu hinterfragen, zu rechnen, zu vergleichen und dazuzulernen und bei jeder neuen Ration wieder auf das Pferd zu schauen, das gerade vor mir steht.

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